Blockchain: Jetzt gibt es einen Prototypen für die dezentrale Päckchenlieferung

 

 

 

 

 

 

Quelle: t3n

Ein Prototyp für einen Lieferservice macht von sich reden. Er basiert auf der Blockchain-Technologie.

Warum nicht die Tatsache nutzen, dass die meisten Menschen Smartphones haben und dass dort, wo es viele Smartphones gibt, auch Paketempfänger besser bedient werden können als das ein zentrales Postsystem vermag? An dieser Idee arbeiten die amerikanischen Firmen Streamr und Passflix.

Paletliefertung Peer-to-Peer per Blockchain

 

Sie haben auf Basis der Ethereum-Blockchain einen Prototypen für einen Lieferservice vorgestellt. Streamr ist eine Cloud-Plattform zum Erstellen und Ausführen von Logik, die sofort auf neueste Daten reagiert. Daten fließen ein, werden als Service verarbeitet, und Aktionen werden ausgespuckt. Passlfix  beschäftigt sich mit Blockchaintechnologie und der Frage, ob man nicht auch ein Internet der Objekte bauen kann, so wie man ein Internet der Informationen gebaut hat.

Die Idee: Man könnte Pakete auch durch einzelne Kuriere ausliefern lassen, die nicht das große Vertrauen von beispielsweise Fedex genießen. Damit die Pakete auch ankommen und das Vertrauen in die Kuriere wächst, arbeitet das System mit einer Sicherheitskaution und einer Art Barcode, mit der die Pakete von Kurier zu Kurier weitergegeben werden können. Im Amerikanischen heißt das „executable distributed code contracts“ – kurz EDCCs.

Die Blockchain-Lieferung im Detail

Konkret funktioniert das so: Der Kurier übernimmt das Paket, zahlt dafür eine Kaution und bei pünktlicher Lieferung bekommt er die Kaution und das Geld für die Zustellung ausbezahlt. Wenn bei der Auslieferung Probleme auftreten, hat der Kurier die Möglichkeit, das Paket in ausgewiesenen Postfächern abzulegen. Diese sind mit seriellen EDCCs ausgestattet und erfassen den Empfang. Hat der Kurier das Paket an dieser Paketstation abgegeben, erhält er seine Kaution für das Paket zurückerstattet, abzüglich der anfallenden Gebühren. An dieser Stelle stellt die Postbox selbst eine Kaution anstelle eines Kuriers. Sobald der nächste Kurier das Paket übernimmt, wird die Kaution in der Postbox gelöscht. Der nächste Kurier wird wieder mit der Kaution belastet.

Der Absender verwendet eine GUI (grafische Benutzeroberfläche), um den Ort, von wo aus versandt wird, und den Zielort einzugeben und die gewünschte Lieferzeit einzustellen. Sobald der Kurier das Paket abgeholt hat, klebt er einen IoT-Sensor auf das Paket und versiegelt es mit einem manipulationssicheren Aufkleber. Wenn der Kurier beim Empfänger ankommt, bestätigt dieser den Inhalt des Pakets anhand eines Fotos, das vom Absender im GUI zur Verfügung gestellt wird.

Zusammenspiel von Ethereum-Android-App und Blockchain

Während das Paket unterwegs ist, interagiert der IoT-Sensor mit der Streamr-Plattform über Bluetooth zwischen Chip und Smartphone-App. Sobald Informationen zur Temperatur, zu GPS-Daten, zur Geschwindigkeit und zur Höhe kompiliert sind, interagiert die Ethereum-Android-App mit der Blockchain. Auf der Streamr-App stehen dem Absender, dem Kurier und dem Empfänger Visualisierungen von Metriken des IoT-Sensors zur Verfügung.

Die EDCCs, die während des Transits die Zahlungen managen, garantieren sowohl dem Absender als auch dem Empfänger Sicherheit. Denn die EDCCs geben die Kurier-Zahlung und die Sicherheitskaution nur dann frei, wenn der Empfänger die Lieferung in der Android-App anerkennt.

Pass-Tokens als Währung

Ein Reputationssystem ist an die Kautionsversicherung angebunden. Pass-Tokens werden als Währung verwendet, um Einzahlungen durch Kuriere oder öffentliche Postfächer zu verrechnen. Kuriere können nur Pakete ausliefern, die einen Inputpreis haben, der niedriger ist als die Pass-Tokens, die sie verlieren können, falls der Kunde mit der Lieferung unzufrieden ist. Wenn das Paket pünktlich und in gutem Zustand ankommt, zahlen EDCCs die volle Kaution und die Liefergebühr an den Kurier aus. Der Kurier bekommt weniger Geld, wenn den Bedingungen im EDCC zufolge das Paket verspätet oder überhitzt ausgeliefert wird. Wenn ein Paket verloren geht oder gar nicht geliefert wird, verliert der Kurier seine Kaution. Dieses System wird es neuen Benutzern ermöglichen, die Ehrbarkeit von Kurieren zu beurteilen.

Insgesamt könnten so Lieferungen in Ballungsgebieten schneller zugestellt werden und Kuriere dennoch daran verdienen. Das System erinnert ein klein wenig an Uber – nur dass statt Menschen in Taxis Waren von Kurieren, die auf eigene Rechnung handeln, transportiert werden und die Bezahlung nicht über Kreditkarte, sondern in Form von Pass-Tokens beziehungsweise Ether, der Währung von Ethereum-Blockchain, gezahlt wird.