«Bitcoin kann nur eine marginale Rolle spielen»

 

 

 

 

 

 

Beim SMI erwartet Vermögensverwalter Philipp Grüebler kleine Sprünge. Er sagt, wann Bitcoin als Anlagealternative taugt, wie man vom Glutenfrei-Trend profitiert und was Neuanleger beachten sollten.

11:20 am 26.05.2017
Interview von Julia Fritsche

Bitcoin: Bei einer Anlage in Bitcoin spekuliere man lediglich auf einen Preisanstieg. Pixabay

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die Märkte sind enttäuscht, dass Trump nicht das liefert, was von ihm erwartet wurde: Deregulierung, Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme sind aufgrund seiner täglichen Skandale in den Hintergrund getreten und damit auch der «Trump Trade». Der Ölpreis ist zudem unter Druck, da die Opec keine weiteren Produktionskürzungen beschloss.

Die Börsen haben die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich ohne grosse Probleme gemeistert. Stimmt Sie das positiv für die deutschen Wahlen?
Absolut! Wobei es sich zuvor schon abzeichnete, dass europhobe Parteien in Frankreich und Deutschland wenig Chancen haben, denn auch in Österreich und in den Niederlanden konnten sich diese trotz Rückenwind nicht durchsetzen. Anders würde ich Italien – ebenfalls ein Kernland der EU – beurteilen: Jahrelange Rezession und anhaltend hohe Arbeitslosigkeit fördern eine antieuropäische Haltung. Wahlen stehen in Italien aber erst im Mai 2018 an.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach dem sich der SMI in den vergangenen Wochen stark entwickelt hat, tendiert er nun seitwärts. Kurzfristig sind deshalb weder neue Höchststände noch eine scharfe Korrektur zu erwarten.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Das solide Weltwirtschaftswachstum wird die Gewinne und damit den SMI in den nächsten zwölf Monaten stützen, obschon die Aktien zurzeit hoch bewertet sind. Ich erwarte, dass der SMI in einem Jahr auf 9‘500 Punkten notieren wird.

Wer als Anleger nicht auf Bitcoin setzt, kann nur verlieren. Würden Sie diese Aussage unterschreiben?
Der Kursanstieg von Bitcoin ist in der Tat verlockend: Der Kurs hat sich seit März verdoppelt. Doch unterscheide ich strikt zwischen Investieren und Spekulieren: Ich investiere in ein Geschäft, welches einen Cashflow erwirtschaftet. Bei einer Anlage in Bitcoin spekuliert man lediglich auf einen Preisanstieg, weil es heute schwierig ist, mit der Kryptowährung Erträge zu erwirtschaften. Sie kann deshalb in einem diversifizierten Portefeuille nur eine marginale Rolle spielen. Zudem erschüttern Betrugsfälle und Illiquidität das Vertrauen der Anleger.

 

Von Bio bis glutenfrei – sind Nahrungstrends auch Anlagetrends? Welche Titel empfehlen Sie?
Aktien von Nahrungsmittelhersteller sind ein wichtiger Bestandteil jedes Aktienportefeuilles, da sie krisensichere Werte darstellen. Lebensmittelmultis wie Nestlé oder Unilever verfolgen zwar verschiedene Nahrungstrends, doch glutenfreie oder Bioprodukte sind in deren Sortiment schwach vertreten. Anleger, die weitere Nahrungstrends verfolgen wollen, müssen kleinere Firmen berücksichtigen, am besten durch den Janus Organics ETF (ORG) in den USA. Alternativ kann auch in Einzeltitel wie Chr. Hansen (CHRH), Hain Celestial (HAIN), und Whole Foods (WFM) investiert werden.

Viele scheuen den Aufwand, sich aktiver um ihr Vermögen zu kümmern. Welche einfachen Anfängerschritte können Sie in solchen Fällen empfehlen?
Zuerst muss ein Anleger seine eigene Risikofähigkeit – im Wesentlichen seinen Anlagehorizont – kennen, da für Aktienanlagen eine lange Anlagedauer wichtig ist, um mögliche Korrekturen aussitzen zu können. Zweitens ist auf eine genügende Diversifikation zu achten. Diese kann durch die Berücksichtigung von einer Mehrzahl von Einzeltiteln erreicht werden oder mittels Anlagefonds. Bei Fonds empfehle ich vor allem aus Kostengründen auf ETF zurückzugreifen. Drittens warne ich vor zu häufigem Umschichten, was enorme Kosten mit sich bringen kann.

*Philipp Grüebler ist Portfolio Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung AG. Bevor er im Jahr 2000 zur Grüebler Vermögensverwaltung AG stiess, arbeitete er bei UBS und Credit Suisse. 1995 schloss er das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Lizenziat ab und 2000 den Chartered Finanicial Analyst (CFA).