Bitcoin in den Nachrichten – gemeine Missverständnisse

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: BTC-Echo

 

Es ist verständlich, dass der aktuelle Anstieg der Kryptowährungen – insbesondere Bitcoin – auch von überregionalen Zeitungen mit sehr großer Reichweite nicht unentdeckt geblieben ist. Auch wenn seit dem letzten großen Medienaufgebot vier Jahre vergangen sind, so haben sich die Argumente gegen Bitcoin seitdem kaum verändert. Im Folgenden sollen zwei typische Textausschnitte aus zwei größeren internationalen Zeitungen genauer betrachtet werden.

 

Kein inhärenter Wert

Der erste Artikel mit dem Titel “Wie der Kamelmarkt in Kuwait” erschien heute in dem Kreml-nahen Nachrichtenmagazin SputnikNews. Die hier vorgefundene einseitige und ideologisch motivierte Argumentation war zwar erwartbar, jedoch finden sich ähnliche Argumentationsstränge auch in renommierten, westlichen Nachrichtenformaten. So wurden auch im Forbes Magazin, aus dem der zweite von uns analysierte Artikel stammt, die gleichen Bedenken gegenüber Bitcoin und Co. geäußert, wie folgendes Zitat belegt:

“Vor einem ‘Schneeballsystem’ bei der Digitalwährung Bitcoin warnt Finanz-Experte Dimitri Speck”

Wächst eine Währung oder eine Anlage so intensiv wie Bitcoin in der letzten Zeit, ist es allemal angebracht zu hinterfragen, ob es sich dabei nicht um ein Schneeballsystem handeln könnte. Öl, Gold oder andere Rohstoffe werfen praktisch nie solche Gewinne ab, wie nun Bitcoin oder andere digitale Währungen.

Trotzdem ist Bitcoin nicht als Schneeballsystem anzusehen: ein Schneeballsystem zeichnet sich durch hohe Ausschüttungen aus, die durch das Hinzukommen neuer Mitglieder und damit der Zahlung neuer Mitgliedsbeiträge oder Einlagen erreicht werden. Zwar gibt es auch im Kryptowährungsbereich einige Negativbeispiele, im Gegensatz dazu wird das Bitcoin-System jedoch nicht von Neu-Investoren getragen. Stattdessen trägt Bitcoin Eigenschaften, die ihm einen Wert verleihen: Sekundenschnelle Zahlung, extrem hohe Sicherheit, globale Reichweite, kein Registrierungsprozess und vieles mehr. Es existiert also eine ökonomische Grundlage auf der Bitcoin basiert, die nicht davon abhängig ist, dass neue Mitglieder hinzukommen, da sonst ein Auseinander brechen drohen würde. Zudem werden keine Renditen respektive Gewinnausschüttungen wie bei Schneeballsystemen versprochen, sodass es nicht überlebensnotwendig ist neue Nutzer zu gewinnen, die wiederum neue Mittel in das System einbringen.

“Bitcoin wird niemals Werte wie Geld oder Gold ersetzen”

Auch diese defensive Aussage liest und hört man häufig. Aber warum muss Bitcoin unbedingt Geld oder Gold ersetzen? Schaut man sich den Remissenmarkt an – den Markt der Arbeiter und Angestellten, die im Ausland arbeiten und einen Teil ihres Lohns in ihr Heimatland schicken – so erkennt man ein starkes Wachstum von Kryptowährungen gegenüber traditionellen Anbietern wie WesternUnion.

Es wird durch oben stehende Aussage auch ein “Angriff” digitaler Währungen auf die bestehende Weltwirtschaft angedeutet. Hinterfragt man dieses Narrativ allerdings, so wird deutlich, dass sich beispielsweise Länder wie Venezuela aufgrund jahrzehntelanger Misswirtschaft in einer schweren Rezession befinden, ohne jemals wirklich von Bitcoin “angegriffen” worden zu sein. Ob eine Geldwirtschaft zerfällt, ist also keine Frage eines Konkurrenzkampfes, sondern vielmehr volkswirtschaftlich und institutionell bedingt.

“‘Bitcoin kam nach der letzten Finanzkrise 2008 auf’, erinnerte der Münchener. ‘Die Marktkapitalisierung von allen aktuell gehandelten Krypto-Währungen liegt bei etwa 130 bis 140 Millarden Dollar. Das ist aber immer noch sehr wenig, im gesamten Maßstab der Weltwirtschaft gesehen.’”

Und dennoch reichte es in den letzten Tagen, um die Marktkapitalisierung von PayPal zu überholen. Was oben stehendes Zitat allerdings auslässt ist die Tatsache, dass das gesamte Marktkapital über den Zeitraum von 2008 bis heute erheblich schwankte. Die Marke von 100 Milliarden US-Dollar wurde erst im Mai diesen Jahres geknackt. Zum Vergleich: Seit der Entstehung des Bitcoin im Jahr 2009 bis zum Februar 2017 lag die Gesamtmarktkapitalisierung unter 20 Milliarden US-Dollar! Eine Durststrecke, die durch die Aussage überhaupt nicht dargestellt wird, während jedoch Netzwerkprotokolle ausgebessert wurden und Projekte an den Markt angepasst worden sind. Was nun folgt, ist die Ernte nach einer erfolgreichen Saat.

“Jeder Bezahlvorgang erfordert schon mal sehr viel Rechenleistung. Aktuell liegen die Transaktionskosten bei 25 US-Dollar pro Bitcoin-Zahlvorgang.”

Während der erste Satz stimmt, und das aus einem guten Grund, ist der zweite Satz stark übertrieben. Zwar stiegen die durchschnittlichen Transaktionskosten von gesten auf heute um einen weiteren Dollar auf insgesamt fünf Dollar, aber das ist immer noch ein fünftel der in SputnikNews angegebenen Transaktionskosten.

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Auch hier ist es ein leichtes Bitcoin auf die Füße zu treten: vor Februar 2017 lagen die Transaktionskosten für Bitcoin unter 0,5 US-Dollar. Mit dem Anstieg der Beliebtheit und dem damit einhergehenden Transaktionsvolumen stieg der Preis für die durchschnittliche Transaktion – was übrigens der Grund für die Skalierungslösung SegWit ist. Es handelt sich also nur um Preisspitzen, die durch Updates wieder eingefangen werden können.

“Ein Haufen Nutzer mit einer Blockchain”

Die nun folgenden Aussagen finden sich im Forbes-Artikel “A Bitcoin is Worth 4,000 Dollars — Why you probably should not own one”.

Die journalistische Leistung von Forbes dürfte die von Sputnik deutlich überholen. Dennoch existieren auch hier einige Missverständnisse:

Im Artikel heißt es, traditionelle Währungen werden von einer Zentralbank überwacht.

“Stattdessen werden Bitcoins durch einen Haufen Nutzer über eine Blockchain nachverfolgt.”

Durch den vorangegangenen Vergleich mit den Zentralbanken bei traditionellen Währungen ergibt sich der Eindruck, dass “ein Haufen Nutzer” nun Bitcoins verwalten. Dies ist schlichtweg nicht der Fall, im Gegenteil, Programmcode, der auf sehr vielen Rechnern verteilt ist, steuert die Ausgabe neuer Coins. Dieser Programmcode ist für jeden einsehbar und nachvollziehbar.

Nachdem erklärt wurde, dass durch Tauschgeschäfte metaphysische Werte entstanden sind und damit traditionelles Geld, heißt es:

“Und so ein Huhn könnte beispielsweise 2,50 US-Dollar wert sein. Die Währung repräsentiert also den Wert aller Dinge. Der Dollar selbst, ist ein Paper das nichts wert ist. Aber es repräsentiert Kaufkraft. Von daher speichert es Wert.”

Während die Aussage nachvollziehbar ist, heißt es weiter über Bitcoins:

“Sie haben keinen eigenen Wert, da sie eine Währung sind, die eher einen Wert abbilden als selber einen Wert haben.”

Liest man weiter stolpert man noch mehr über inhaltliche Widersprüche:

“Bitcoin-Werte sind völlig davon abhängig, ob die Halter weiterhin einen Wert darin sehen werden. Zurzeit sieht der Markt aber eher wie die Tulpenmanie, statt ordentlichem Investmentumfeld aus.”

Dies ist allerdings keine nur den digitalen Währungen inhärente Eigenschaft. Jede Währung, egal ob Bitcoin oder US-Dollar, basiert auf dem Vertrauen der Menschen bzw. in der Erwartung mit der Währung etwas kaufen zu können. Ohne Vertrauen, keine Kaufkraft. Dass das Vertrauen bzw. die Erwartungshaltung gegenüber dem Euro oder dem US-Dollar deutlich größer ist als das gegenüber den digitalen Währungen ist absolut verständlich. Schließlich wird zu 99,9% in Fiatwährungen gezahlt und nicht in Kryptowährungen. Die Differenzierung inwiefern von “Werthaltig” gesprochen werden kann, ist in diesem Fall also rein quantitativ und nicht qualitativ, generell. Wird in der Volkswirtschaft mehr in digitalen Währungen gehandelt und an Vermögenswerten gelagert, dann steigt damit auch die “Wertbezogene-Erwartungshaltung” in der Bevölkerung.

Um die dem Wert dienlichen Eigenschaften hervorzuheben, sollen im Folgenden wertstiftende Eigenschaften von Bitcoin aufgezählt werden:

Bitcoin ist ein Wertetransfersystem, das ohne zentrale Instanz funktioniert. Niemand kann Bitcoins nach eigenem Ermessen erstellen, sie werden nach einem festgelegten Algorithmus erschaffen, der präzise Voraussagen der auszuschüttenden Geldmenge bis ins Jahr 2140 erlaubt. Keine Zentralbank der Welt kann solche Voraussagen treffen.

Da Bitcoin keine zentrale Instanz hat, bildet es keinen zentralen Schwach- oder Angriffspunkt. Während in der Vergangenheit Zentralbanken Opfer von Überfällen wurden (siehe Bangladesh), ist dies bei Bitcoin nicht möglich. Selbst eine Naturkatastrophe oder ein Krieg könnte Bitcoin überstehen (ironischerweise wurde das Bitcoin zugrundeliegende Peer-to-Peer-Netzwerk in den Zeiten des kalten Krieges entwickelt).

Jeder kann eine eigene Bitcoin-Addresse kostenlos erstellen. Dafür ist keine Sicherheit notwendig und auch keine sonstige Registrierung. Man schätzt, dass rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Banken haben. Die Zugangshürde zu digitalen Währungen dürfte damit niedriger sein, als zu traditionellen.

All diese Eigenschaften haben einen Wert, und da sie im traditionellen Bankenwesen nur selten vorkommen, haben sie aufgrund von Angebot und Nachfrage sogar einen hohen Wert. Welchen Wert sie genau haben, könnte man anhand des Preises eines Bitcoin ablesen.

BTC-ECHO